← zurück zur Kategorie Argos-Journal , Kultur

Dessau brilliert mit seinem jährlichen künstlerischen Höhepunkt…

… und entführt in eine einzigartige Epoche des 20. Jahrhunderts – in einem hochkarätigen Programm befindet sich eine Vielzahl von Künstlern zum Kurt Weill Fest „In Bewegung“

Das 34. Kurt Weill Fest steht dem Motto „In Bewegung“. Vom 27.02.-15.03.2026 werden in 74 Veranstaltungen über 600 KünstlerInnen an 21 bekannten und auch neuen Spielstätten zu erleben sein. Das Programm wurde wieder von der künstlerischen Leitung Gerhard Kämpfe und Constanze Mitter zusammengestellt.

Unter den Künstlern unterschiedlichster Couleur finden sich u. a. Schauspielerin Katharina Thalbach, Schauspieler und Sprecher Ben Becker, Paul Walther und Jonas Laux, Bestsellerautor David Safier, Liedermacher Klaus Hoffmann, das Schönherz & Fleer Rilke-Projekt zusammen mit den Schauspielern Dietmar Bär und Nina Roger, Klangkünstler SCHILLER, die Flying Steps, der König des Klezmer Giora Feidman und viele weitere mehr.

Neben Konzerten setzt sich das Programm aus vielfältigen Formaten zusammen, darunter Tanz, Lesungen, Führungen, Ausstellungen, Workshops zum Mitmachen, dem traditionellen Familienkonzert, Projekten für Kinder, Partys und vielem mehr.

Artist-in-Residence: Europeanstyle Tanztheater with incisive grooves

Die Wahl des Artist-in-Residence ist in diesem Jahr etwas Besonderes, denn es steht nicht ein Einzelkünstler im Fokus, sondern gleich eine ganze Gruppe: Die mit dem Sächsischen Tanzpreis ausgezeichnete Sebastian Weber Dance Company zeigt eine raue, bildstarke, groovende Bewegungssprache, die den Stepptanz als zeitgenössische Ausdrucksform neu erfindet. Das Ensemble ist mit TänzerInnen aus 8 europäischen Ländern besetzt. Choreograf Sebastian Weber gilt international als Wegbereiter eines zeitgenössischen Stepptanzes. Das aktuelle Standardwerk der Stepptanzgeschichte What the Eye Hears des New Yorker Tanzkritikers Brian Seibert beschreibt seine Arbeit als „Europeanstyle Tanztheater with incisive grooves“.

Die Dance Company, hat gleich mehrere Produktionen im Gepäck. GLITZ, eine spektakuläre Show mit fantastischen Kostümen und eigener Band sowie die Premiere von ELLA, eine Tanzperformance über das bewegte Leben der Großmutter Sebastian Webers, die einhundert Jahre alt wurde und einiges zu sagen hatte, das bis heute gültig und bedeutend ist.

Giora Feidman; Foto: Kai Weise

Giora Feidman, der weltbekannte „König des Klezmer“

Mit FOR A BETTER WORLD erhebt Giora Feidman, der weltbekannte „König des Klezmer“, seine Klarinette zu einer eindringlichen Botschaft für Frieden, Menschlichkeit und die Hoffnung auf eine bessere Welt. In diesem außergewöhnlichen Programm verschmelzen klassische Klänge mit der tief empfundenen, herzlichen Schwere des Klezmer. Bereichert durch die Verbindung von Orient und Okzident entsteht eine musikalische Einheit von großer emotionaler Kraft und spiritueller Tiefe.

Diese Essenz ist das Ergebnis der erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem Komponisten Majid Montazer. Sie haben weltweit schon mehr als 150.000 Konzertbesucherinnen und -besucher begeistert und nachhaltig berührt. So gelingt es diesem bedeutenden Klarinettisten unserer Zeit musikalische Brücken zwischen Kulturen, Religionen und Weltanschauungen zu schlagen und die Zuhörer in den Bann seiner Musik zu bringen. For a better world macht sowohl die hellen als auch die schattigen Seiten menschlicher Entwicklung und der aktuellen Weltlage hör- und fühlbar. Musik als Spiegel unserer Zeit und als Aufruf zu Mitgefühl und Verständigung.

Giora Feidman versteht es wie kaum ein anderer Künstler, Musik zu einer universellen Sprache des Friedens zu machen. For a better world ist kein Konzert im klassischen Sinn, sondern eine zutiefst menschliche Botschaft, die das Publikum berührt, bewegt und zum Nachdenken anregt“, sagt Gerhard Kämpfe, Künstlerischer Leiter des Kurt Weill Festes.

Das musikalische Feuer Lateinamerikas

Ein Konzert wie ein musikalischer Aufbruch in eine faszinierende Kultur bietet das THE LATIN AMERICA PROJECT mit feurigen Rhythmen Lateinamerikas, energiegeladene Perkussion und fünf außergewöhnliche junge MusikerInnen. Was klingt wie ein Abenteuer, ist eigentlich das Debütprojekt des gebürtigen Südtirolers Hannes Vonmetz. der sich gemeinsam mit fünf außergewöhnlichen jungen MusikerInnen auf eine mitreißende musikalische Entdeckungsreise begibt.

Hannes Vonmetz ©Sergio Alegre

Lateinamerika steht wie kaum ein anderer Ort der Welt für pulsierende Rhythmen, klangliche Vielfalt und die kreative Nutzung klassischer wie auch außergewöhnlicher Schlaginstrumente. In farbenfrohen, energiegeladenen Kompositionen verschmelzen traditionelle Rhythmen und Klangfarben aus Kolumbien, Peru, Chile und Argentinien mit zeitgenössischen Ausdrucksformen. Dabei stehen nicht zuletzt Werke aufstrebender junger KomponistInnen im Mittelpunkt, die selbst tief im lateinamerikanischen Erbe verwurzelt sind und eigens für Hannes Vonmetz und The Latin America Project komponiert haben.

Immer wieder sind auch die Einflüsse der indigenen Andenbevölkerung zu hören, die, wie in der kulturellen Realität Lateinamerikas, das Fundament für einen kunstvoll gewebten Klangteppich bilden. Jeder Ton trägt Spuren gelebter Geschichte, jeder Rhythmus erzählt von Lebensfreude, Widerstandskraft und emotionaler Intensität. Musik wird hier nicht nur hörbar, sondern auch spürbar.

Gerade diese enge Verbindung von Rhythmus und Bewegung begeistert auch Constanze Mitter, die künstlerische Leiterin des Kurt Weill Festes: „Ich freue mich sehr auf dieses Projekt, weil Schlagzeuginstrumente Musik unmittelbar in Bewegung übersetzen. Rhythmus ist körperlich, er geht direkt ins Herz und in die Beine und genau das passt wunderbar zum diesjährigen Festivalkonzept. The Latin America Project vereint musikalische Neugier, kulturelle Vielfalt und eine enorme physische Präsenz auf der Bühne.“

EMPFÄNGER UNBEKANNT – Schauspiel über Freundschaft, Verrat und die verstörende Aktualität

In einer Zeit, in der gesellschaftliche Spaltungen lauter werden und Erinnerungen an vergangene Schrecken wichtiger sind denn je, präsentiert das Kleine Theater am Südwestkorso mit EMPFÄNGER UNBEKANNT am 08.03.2026 im Rahmen des Kurt Weill Festes ein eindringliches Schauspiel über zwei Menschen und eine Freundschaft, die in den Strudel der Geschichte gerät.

Die auf dem Briefroman Address Unknown von Kathrine Kressmann Taylor basierende Inszenierung erzählt die Geschichte des Deutschen Martin Schulze und des amerikanischen Juden Max Eisenstein. Als erfolgreiche Galeriebesitzer in den USA verbindet sie eine tiefe Freundschaft. Doch mit Schulzes Rückkehr nach Deutschland 1932 beginnt der schleichende, unheilvolle Bruch zwischen den beiden Männern: Während Max die dunklen Entwicklungen nur aus Briefen erfährt, driftet Martin immer tiefer in die Ideologie des Nationalsozialismus ab und mit jedem Wort wächst die Distanz zwischen ihnen. Die Frage, wie ein einst liberaler Geist in menschenverachtende Überzeugungen abrutschen kann, berührt die Gegenwart in beklemmender Weise.

Paul Walther und Jonas Laux; Foto: Jörn Hartmann

In den Hauptrollen stehen zwei herausragende Schauspieler: Paul Walther, ein renommierter Theater- und Filmschauspieler, der an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ ausgebildet wurde, mit Engagements am Maxim-Gorki-Theater und als freischaffender Darsteller in zahlreichen Bühnen- und Fernsehproduktionen. In Empfänger Unbekannt verkörpert Walther den zutiefst bewegten Max Eisenstein mit großer Präsenz und emotionaler Tiefe.

Jonas Laux, geboren 1982 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), bringt seine langjährige Theatererfahrung in der Rolle des Martin Schulze ein. Nach seiner Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig und Stationen an renommierten Bühnen hat Laux in Produktionen in Berlin, Wien und darüber hinaus gespielt. Seine Darstellung des zunehmend entfremdeten Martin Schulze ist ein eindringliches Porträt innerer Zerrissenheit und ideologischer Verblendung.

Empfänger Unbekannt ist mehr als ein historisches Drama: Es ist ein Mahnmal, das Zuschauerinnen und Zuschauer gleichermaßen berührt, herausfordert und zum Nachdenken anregt, große Schauspielkunst – zu empfehlen.

Programm und weitere Infos: www.kurt-weill-fest.de.

Tickets: Auf der Website des Kurt Weill Festes: www.kurt-weill-fest.de oder telefonisch unter 0340/61 19 07 (Mo-Do von 09.00-17.00 Uhr), in der Theaterkasse des Anhaltischen Theaters Dessau, Friedensplatz 1a (Seiteneingang, Stadtseite), 06844 Dessau-Roßlau und bei der Tourist-Information Dessau, Ratsgasse 11, 06844 Dessau-Roßlau

Seit über drei Jahrzehnten, an 17 Tagen, mit über 70 Veranstaltungen, 23 Spielstätten, unter Beteiligung von über 600 KünstlerInnen, in Sachsen-Anhalt und rund um Dessau-Roßlau – das ist das Kurt Weill Fest, das jedes Jahr 20.000 Kulturinteressierte anzieht. Es handelt sich um ein internationales, genreübergreifendes Kulturfestival zu Ehren des Komponisten Kurt Weill (*1900 in Dessau † 1950 in New York). Dabei begreift der Veranstalter Kurt Weill nicht nur als einen Komponisten, der mehrfach Musikgeschichte geschrieben hat, sondern zugleich auch als einen Zeitzeugen. Als jüdischer Komponist erfuhr er Unterdrückung, Flucht und Vertreibung. Gleichzeitig ist er ein Musterbeispiel für Integration.

Kommentieren Sie den Artikel: