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Wenn die Vision zur Wirklichkeit wird

In der Pilothalle in Zwickau vor einem neuen ID.3* und einem abgedeckten ID.4* (v.li.): Robert Pahlow, Antje Pflug, Sven Zander und Carsten Friedrich.

Während die Produktion im Fahrzeugwerk Zwickau ruht, wird in der dortigen Pilothalle weiter an der elektrischen Zukunft von Volkswagen gearbeitet. Nicht nur die Abstandsregeln werden dabei strikt eingehalten – auch die Motivation der Beschäftigten ist groß.

Es ist das Heiligtum im Fahrzeugwerk Zwickau – die Pilothalle. Eine schmucklose weiße Eingangstür, wie jede andere auf dem Werksgelände. Unscheinbar. Ein buntes Plakat hängt rechts neben dem Rolltor am Eingang und verweist schlicht auf das „E-Mobilitäts-Zentrum“. Doch hinter der dicken Wand entsteht gut geschützt die Zukunft von Volkswagen: die vollelektrischen Modelle ID.3 und ID.4. Sie werden für die Technische Entwicklung in Wolfsburg gefertigt. Der ID.4  ist auch hier noch in schwarze Plane eingehüllt, denn: Das vollelektrische SUV ist in der Öffentlichkeit noch nicht ohne Tarnung gezeigt worden.

Während die Produktion in den meisten Werkshallen in Zwickau sowie in anderen Standorten wegen der Corona-Pandemie ruht, wird in der Pilothalle mit Hochdruck gewerkelt. „Wir geben mächtig Strom“, schmunzelt Robert Pahlow (42), Leiter Anlaufmanagement MEB, der seit nunmehr zwei Jahren in Zwickau arbeitet. Er ist aus der Zentralen Produktionsplanung in Wolfsburg nach Sachsen entliehen, ein Anlaufmanagement-Profi. „Wir stellen trotz der Produktionsruhe die Vorserienfahrzeuge von Audi, Seat und Volkswagen fertig und unterstützen beim Serienanlauf, etwa bei der Elektrik und Elektronik.“ Konkret: Aus jedem Bereich der Pilothalle sind Mitarbeiter anwesend. Sie halten den Kontakt zur Technischen Entwicklung in Wolfsburg, arbeiten an wichtigen Optimierungen der Karosserie, verfeinern die Einstellungen von Fahrwerk, Licht und die Elektrik der ID. Fahrzeuge und führen wichtige Analysen der Elektronik durch. Finale Qualitäts-Checks stehen ebenso auf dem Programm.

„Es ist wirklich enorm: Alle ziehen mit“, freut sich Carsten Friedrich (47), Leiter der Pilothalle und Zwickauer Urgestein. „Die Kollegen wissen, an welchem wichtigen Projekt für Volkswagen sie gerade arbeiten. Egal, ob jung oder alt. Alle, die wir zwingend brauchen, haben sich bereit erklärt, gerade jetzt dabei zu sein.“ Das Ziel bleibt: den Pre-Bookern des ID.3 ihre Fahrzeuge im Sommer zu übergeben.

Die Corona-Pandemie hat kurzerhand auch das Arbeiten im Zwickauer Heiligtum verändert. Die wichtigste Botschaft: Abstand halten. So wird etwa gerade nur jede zweite Hebebühne genutzt, Meetings finden im Stehen mit reichlich Abstand statt und die Reinigungszyklen in der Pilothalle wurden erhöht. Auch neu: In jedem Meeting werden Anwesenheitslisten ausgefüllt. „Wir wollen genau wissen, wer wann in welchem Treffen war. Für den Fall der Fälle“, sagt Prüferin Antje Pflug (52), die seit 23 Jahre bei Volkswagen Sachsen arbeitet. „Wir halten uns zu 100 Prozent an die verschärften Regeln“, fügt Fahrzeug-Koordinator Sven Zander (49) hinzu.

Im Werk Zwickau laufen seit November 2019 die Serienproduktion des vollelektrischen ID.3 und die Vorserien des ID.4. Mehr als 100.000 E-Autos sollen in Zwickau bereits in diesem Jahr hergestellt werden. 2021 wird die Kapazität auf bis zu 330.000 Elektrofahrzeuge steigen, im Sommer 2020 endet mit dem Auslauf des Golf Variant die Ära der Verbrennerfahrzeuge in Westsachsen.

Zwickau ist nach Dresden der zweite Standort überhaupt, den ein Volumenhersteller wie Volkswagen komplett auf E-Mobilität umstellt – und der erste Standort der Marke, der in Großserie geht. Mehr als 1,2 Mrd. Euro investiert Volkswagen in den Umbau des Werks Zwickau zu einer der leistungsfähigsten E-Auto-Fabriken Europas. Im Sommer wird auch die zweite Fertigungslinie umgestellt. „Hier am Standort Zwickau beginnt die E-Offensive von Volkswagen. Das weiß hier jeder“, so Pahlow.

Bis 2029 will das Unternehmen konzernweit bis zu 75 reine E-Modelle und zusätzlich etwa 60 Hybridfahrzeuge auf den Markt bringen. Allein bis 2024 sind dafür Investitionen von 33 Mrd. Euro geplant.

Im Sommer gehen die ersten Fahrzeuge des ID.3 in Kundenhand. Und auch die Umwelt profitiert – denn der ID.3 und ID.4 laufen  in Zwickau bilanziell CO2-neutral vom Band. Möglich wird das unter anderem, weil die Herstellung der Batteriezellen und die Fahrzeugproduktion mit 100 Prozent Grünstrom funktionieren.

*ID.3 und ID.4: Die Fahrzeuge  werden in Europa noch nicht zum Verkauf angeboten.

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